Am Anschlag (Update)

Januar 20th, 2010

Gestern morgen kam der Herr Li ganz aufgeregt angelaufen und zeigte mir die nebenstehende Grafik. (Quelle)

Die Luftqualität dieser Stadt, so die zusammengefasste Aussage, verbessere sich deutlich. In 2008 hätte es 274 himmelblaue Tage gegeben und in 2009 immerhin 260.

Das ist ja ein dolles Ding, dachte ich noch so bei mir und schob den Vorhang zur Seite. Draussen bot sich mir indes das gräuliche Bild des Widerspruchs.

Das sah ja nun nicht so wirklich nach einem ‘Blue Sky Day’ aus. Mit Glück konnte man vielleicht 200m weit sehen. Aber man wollte es nicht unbedingt. Denn das, was man da erspähen konnte, blieb besser hinter Vorhängen verborgen.

Damit ein Tag ein ‘Blue Sky Day’ wird, muss sich sein API Wert unter 100 befinden. International wird für diesen Level jedoch nicht die Farbe Blau verwendet, sondern Gelb, was den ampelgeschulten Westeuropäer sogleich aufhorchen lässt.

Blau kommt in der internationalen Tafel nicht vor, so dass der Verdacht nahe liegt, die Farbwahl solle weniger den Himmelston beschreiben, als vielmehr die die Couleur der Tabelle beschönigen. Diese findet der nach Luft schnappende Leser in ihrer Gänze einmal auf der linken Seite.

Und hier sehen wir sehr schön, dass die Palette gen Süden ins Purpurne abrutscht. ‘Lila ist der letzte Versuch’ heisst es doch auch so schön. In diesem Falle ist es wohl der letzte Versuch, Luft zu bekommen. Und dem sah sich der Herr Li gestern ausgesetzt. Völlig ohne es zu merken. Denn wenn man seinen Blick vom Fenster löste, um die gemeldete Zahl der einzigen unabhängigen Luftmesstation Pekings zu betrachten, sah man dieses:

Man mag das zunächst noch für eine hübsche runde Zahl halten, muss dann beim Vergleich mit der Einstufungsliste jedoch mindestens eineinhalb mal stutzen. Dort steht als Oberkante allen Übels “301 – 500: Hazardous”. Das Lexikon sagt dazu “riskant, gefährlich, gewagt” und die kurze freundliche Beschreibung legt nahe, sich weit zu entfernen.

Aber Moment – die Skala geht ‘nur’ bis 500? Für den Exil-Atmer heisst das leider: Höher wird einfach nicht gemessen, der Wert könnte jedoch auch bei 501, 620 oder 2.384 liegen. Man weiss es halt nicht. Und das ist bestimmt auch besser so. Bei dieser Erkenntnis sollte man tunlichst jegliche Schnappatmung vermeiden, denn die geht für gewöhnlich recht tief in die Lunge.

Es drängt sich einem angesichts dieser Teilchenmasse der Verdacht auf, dass der Begriff “verbotene Stadt” schon gar nicht so schlecht gewählt wurde. Und es weckt Verständnis für die unzähligen Chinesen, deren Lungen auf der Strasse unablässig den Auswurf-Knopf bedienen.

Natürlich wollen wir uns zum Abschluss noch einmal die Statistik von oben ansehen (sofern diese noch nicht der Grauschleier befallen hat) – 260 bläuliche Tage sind immerhin zwei Drittel der Zeit. Und das ist in der Tat zu begrüßen. Zwei Gegenfragen hätte ich da nur. 1. Was ist mit den Nächten, sind die dort auch erfasst oder ist das ein cleveres Schlupfloch, um die Zahl zu verbläulichen? Und was ist wohl die durchschnittliche API Menge, wenn an den restlichen 100 Tagen 300 oder mehr API herrschen? Sähe die Statistik noch immer so goldig aus, wenn man diese Zahl wüsste?

Drücken wir einmal die Daumen, dass der Smog bald laut ‘I’m blowing with the wind’ singt. Denn der fegt die Luft üblicherweise wunderbar frei. Wenn auch nur für einen Tag.

UPDATE – Dank Raphael’s freundlichem Kommentar zu diesem Eintrag kennen wir nun auch die von der “Ministry of Environmental Protection of the People’s Republic of China” offiziell gemessene und vermeldete API Zahl: 183.

Nanu, da sind wohl 317 Partikel verloren gegangen. Vielleicht haben die es nicht durch die dicke Luft bis zur Messstation geschafft. Man sieht aber auch so schlecht, wo die ist…

Das fängt ja gut an: Fischkopf vs. Fischkopp mit Dehnbarem

Januar 5th, 2010
Heute gehen wir mal so richtig lecker essen!

Dieser Satz steigert ungemein eines der wunderbarsten Gefühle der Welt: Vorfreude. Im Anschluss daran folgt gemeinhin der ein oder andere Vorschlag für den Ort des Geschehens und ein erwartungsfroher Blick auf die Uhr.

Im Mund spielt sich derweil ganz ähnliches ab: aufgeregt laufen die Geschmacksknospen umher und diskutieren wild mit den Armen fuchtelnd, wie man sich bestens auf Rosmarin, Thymian oder Bratkartoffeln vorbereitet. Da wird das Begrüßen der verschiedensten Glukose- und Saccharid-Verbindungen geübt und die LaOla-Welle für den Shiraz.

Im Lande Maos läuft es freilich ganz ähnlich. Auch hier kommt Stimmung auf, und die kleine Schar der Abschmecker gerät ins Frohlocken. Sie haben sich mit den hiesigen Aromen bereits etwas bekannt gemacht.

Einzig wenn man mit einer rein chinesischen Runde auf unbekanntes Restaurant-Terrain gehen soll wird der Langzeittourist etwas vorsichtig. Denn da weiss man ja nie so genau, was die Hand zum Munde führen soll.

Aber Kneifen ist nicht. Und so findet man sich wenig später wieder einmal in einem Geheim-tipp Tempel mit mindestens hundert Tischen wieder. Erneut könnte man jeden Tag an der Eingangstür vorbei laufen ohne auch nur zu ahnen, welch enorme Verköstigungskapazität dort hinter unscheinbarer Tür wartet.

Das geht anderen offenbar auch so – Nach Betreten stellt man fest, dass man der einzig Anwesende ohne chinesischen Pass ist. Da weiss man genau: Aha, das ist ein sehr lokales Lokal und touristisch noch unerkundeter Boden. Die Bestellung überlässt man anderen, weil man sich noch über die Aquarien mit den Schildkröten Gedanken macht. Dass diese nicht der Dekoration dienen ist bekannt. Und so hofft man der Dinge, die da nicht kommen mögen.

Gottlob taucht dann auch kein gehexelter Schildbürger auf. Stattdessen ein Teller mit 40cm Radius. Auf diesem ein großer Haufen Dingens mit viel Zeug. Der lapidar dahin geworfene Ausruf “Fisch” mit Fingerzeig Richtung Megateller beruhigt. Und so greift man fleissig zu. Die kleinen Racker auf der Zunge melden eifrig “töfte Sache” und gehen pflichtbewusst ihrer aromatischen Arbeit nach. Die den Teller umzingelnden Beilagen fragt man gar nicht erst ab, sondern genießt die schmackhafte Wahl. Und das ist sie in der Tat.

Irgendwo Mitte der zweiten Portion wird man ob der zufriedenen Gesichter der Restanwesenden stutzig und fragt halbschlau “Will ich eigentlich wissen, was das ist oder lieber nicht”?

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Eine Stelle mehr

Januar 2nd, 2010

happy 2010Es ist wieder einmal so weit: Das Kalenderblatt wechselt den Nachnamen und zeigt ab sofort zweistellig an, was Sache ist.
In Peking hat es zur Feier des Tages gleich einmal im Dauereinsatz geschneit, und nun sieht’s aus wie in Deutschland. Das verstehen wir mal als Brückenschlag und damit also ein winterlicher Gruß an alle da draussen.

Das Aufrücken von 09 auf 10, also von Einstellig-auf Zweistelligkeit sollte an eines erinnern: Mit großer Wahrscheinlichkeit wird niemand von uns das Aufrücken der nächsten Zählerstelle erleben. Die Null nach der Zwei wird uns für den Rest des Daseins begleiten.

Seien wir uns also einfach mal der Tatsache bewusst, dass wir nur eine begrenzte Zeit auf dieser Erde herumhüpfen dürfen und nehmen uns für 2010 vor, nichts auf morgen zu verschieben, was wir heute noch und so weiter. Also bleibt gesund und freut euch des Lebens. Gefälligst. Denn das findet gerade in diesem Moment statt.

Ein frohes neues Jahr!

Meckern, Tischkante und das K im TV

Dezember 30th, 2009

“Gott, dauert das immer so lange hier”?
“Ja, nervig, die haben einfach kein System”.
“Schlimm. Wer’s nicht kann, sollte einfach kein Restaurant aufmachen”.
“Absolut. Eine Frechheit ist das”.
“Übrigens, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt: Meyer”.
“Angenehm, Schulze”.

Wer bei dem obigen, verkürzt dargestellten Dialog ein warmes Gefühl im Bauch spürt und sich am liebsten auch gleich vorstellen möchte, der ist vor allem eines: ein Deutscher.

Göthe sagte schon so schön “Mit dem Wissen wächst der Zweifel”. Und seinen Kindeskindern gereicht das als Mantra. Der Zweifel nährt die Kritik, womit Nörgeln im Allgemeinen, im Speziellen und über alles und jedes zum Selbstverständnis wird. Dabei ist es oft gar nicht so gemeint. Es dient vor allem dazu, eine gemeinsame Basis zu finden, eine Verbindung zwischen zwei Fremden. Du genauso entrüstet wie ich? Klasse, wir Freunde.

Herr Johnson macht das ähnlich. Nur geht es bei ihm über den Pluspol: das gemeinsame Feiern des absolut greatest Day im Life und die Gewissheit, man sei noch nie sowas von fine gewesen. Helau in allen Gassen, da sind die imaginären Pom Poms immer im Anschlag.

Herr Li schlägt ganz andere Töne an. Und zwar wörtlich. Man sollte sich in seiner Gegenwart mit allzu deutschen Beschnüffelungen zurückhalten. Herrn Li irritieren diese, denn er ist es nicht unbedingt gewohnt, sich Fremde durchs Meckern zu Freunden zu machen. Insbesondere wenn man sich in seinem Land aufhält, nimmt er um sich greifende Kritik möglicherweise sogar persönlich.

Für ihn gibt es dagegen zwei sehr etablierte Verbrüderungs-Rituale. Diese bedeuten dem durchschnittlichen Westler einerseits Kopf- und andererseits Bauchschmerzen. Obwohl keines der beiden auch nur im Geringsten etwas mit Kung Fu zu tun hat.

MaotaiphotoVariante 1 ist der 白酒 bzw. Báijiǔ. Wahlweise auch Sagrotan, aber das ist subjektiv. Das Getreide-Schnaps Derivat kommt aus derselben benebelten Ecke wie Korn, Obstler und Vodka. In China ist es DAS Getränk schlechthin. Es gibt den Baijiu in vielen Varianten, sein Alkoholgehalt pendelt je Marke um 55%, sein Preis zwischen Gut und Böse. Und er hat das Wort ‘Ganbei’ geprägt, das viele Ausländer als ‘Prost’ missverstehen. Dabei steht ‘gan’ für ‘machen’ und ‘bei’ für ‘Norden’. “Nach Norden machen” beschreibt in diesem Fall den Glasboden und heisst also “auf Ex”.

Randnotiz: Bitte keinem Chinesen mit ‘Ganbei’ zuprosten und dann nur vorsichtig anschlürfen. Es sorgt für wenig Gegenliebe, wenn dieser den Kopf aus dem Nacken nimmt und feststellt, dass er als einziger sein Glas geleert hat. Trinken ist eine ernste Angelegenheit und vor allem mit traditionell eingestellten Chinesen eng mit Ehre verbunden.

Im Falle von Baijiu ist Ganbei jedoch Programm. Und zwar, bis einer der Teilnehmer die Tischkante von unten sieht. Da darf man sich wieder jung fühlen und an die Trinkspiele der Jugend erinnern. Tags darauf fühlt man sich hingegen meist deutlich gealtert.

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Der Baum, der hat drei Ecken, drei Ecken hat der Baum

Dezember 15th, 2009

Ach, Du mein lieber Herr Li. Es ist einmal wieder besonders Herr-Li-ch, was Du Dir so für das größte Fest westreligiöser Konsumfreude ausdenkst. Bereits Ende Oktober haben wir Verständnis mit Deinen eifrigen Aufrüst-Versuchen gezeigt. Nun aber betritt Dein Unbegreifen gar picassoistisches Terrain.

Weihnachtsbaum AEZ HamburgAuch im amerikanisch beeinflussten Deutschland gewöhnen wir uns immer mal wieder daran, dass ein Weihnachtsbaum zum Kegel stilisiert wird. Das ist praktisch, weil industriell einfacher produzierbar. Und wenn man ihn dann voller Glitter hängt, merkt fast niemand, dass dem falschen Fuffziger die Hüfte fehlt. Geblinke lenkt halt ab.

Zum Beispiel hier ein Bild aus meinem liebsten deutschen Konsumtempel, dem AEZ in Hamburg. Ein bisschen Gold, ein wenig Rot und alles geschmackvoll verteilt – so kann man damit durch kommen. Selbst die Kegelform ist nicht allzu stark übertrieben und lässt noch so manch Perfektionslosigkeit erkennen. Frei nach Stenkelfeld ist das sicherlich beabsichtigt: Da weiss der geneigte Kunde gleich “Aha – der sieht oben so krumm aus, der muss echt sein und is bestimmt von greisen Norwegern mit viel Liebe ein Leben lang aufgezogen, im Zuge eines feierlichen Dorf-Festes als schönster Baum gekürt, umgesägt und dann direkt hierhin verbracht worden, damit wir uns den jetzt zwei Wochen lang angucken können”.

Der aufmerksame Betrachter erkennt zweifellos auch die umherfliegenden besinnlichen Sterne an der Decke und noch so manch anderes dunkelgrünes und dunkelrotes Zeugnis, dass man sich nun in der Adventszeit befindet.

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Wo ist denn das jetzt?

Dezember 9th, 2009

Wenn Herr Müller eine Party gab, hat er früher immer eine eine Karte gemalt, damit Herr Meier und Herr Schultze auch wussten, wo sie hin mussten.
Das war sehr hilfreich.

Nur war die Karte nach einiger Zeit und unzähligen Durchläufen auf dem Kopierer etwas schwer lesbar. Dann mussten Herr Meier und Herr Schultze manchmal anhalten und jemanden fragen.

Müller Junior hat es da heute etwas einfacher. Wenn seine Eltern mal auf einem Kegelausflug sind, schickt er einfach fix einen Link per Google Maps und die Fräuleins Meier und Schultze wissen genau, wo er wohnt. Keine Fragen offen.

Der Segen des Internets liegt für viele in den bestechend einfach zu bedienenden Karten-Applikationen von Google, Microsoft und dergleichen. Auf der Karte suchen, im Satellitenmodus kurz die Optik checken, alles ausdrucken und ab geht’s. Mann kann sich sehr schnell dran gewöhnen.

Bis, ja bis man in China ankommt. Für den nicht der Landessprache mächtigen ergibt sich ein bunter Strauss Probleme, von deren Existenz er nicht einmal zu Albträumen gewagt hat.

nanluoguxiangEin klassischer Fall: Man bekommt noch in Deutschland die Adresse des Büros in Peking geschickt: 南锣鼓巷8号.
Der eigene Rechner vermisst dummerweise den chinesischen Zeichensatz, so dass man nur kleine Quadrate sieht. Wahlweise auch viele Fragezeichen. [wenn dort oben keine chinesisch aussehende Adresse zu lesen steht, ist genau das auf dem PC des geneigten Lesers der Fall]. Man fragt nach und bekommt die Adresse nocheinmal, diesmal in Pinyin Schreibweise, also mit für westliche Augen lesbaren Buchstaben: 8nanluoguxiang.

Chinesiche Wörter werden ohne Leerzeichen aneinander gereiht. Die Dame im Pekinger Büro klatscht also alles zusammen, wie sie es gewohnt ist. Groß- und Kleinbuchstaben gibt es bei ihr ja auch nicht.
Man wundert sich,wie lang der Strassenname ist und ob das ein einziges Wort sei, kopiert ihn aber geschwind in Google Maps. Dort findet man prompt…nichts. “No results found” heisst es und das war’s.
Also wieder Rückfrage im chinesischen Büro. Können die denn ihre eigene Adresse nicht?

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Mal mir mal ‘ne Bedeutung

November 25th, 2009

“a, e, i, o, u” – ein Vokal hat es gut bei uns. Als warm wird er empfunden, als ehrlich und angenehm. Die deutsche Sprache ist voll von Vokalen. Ließe man sie weg, wäre man schnell bei Tschechisch, ukrainisch oder Südpolnisch. Und das klingt in unseren westlichen Ohren hart und unangenehm.

aeiouGut, Konsonanten braucht es auch. Würde man diese weglassen, klänge ein jeder von uns wie ein sabberndes brabbelndes Baby. Niedlich zwar, aber wenig sinnvoll für die Verständigung.

Der Vorteil an der Kombination der beiden ist unübersehbar. Es lässt sich damit beinahe jedes Wort so niederschreiben, dass der Nachbar es phonetisch reproduzieren kann. (wir lassen hier einmal kultur- und dialektbedingte Unterschiede in der Aussprache ausser Acht)

Ein weiterer, oft vernachlässigter Vorteil dieses Systems ist die Möglichkeit, neue Worte zu erfinden, die wiederum andere direkt lesen und aussprechen können. Und durch Ableiten von Wortähnlichkeiten können sie in diesen neuen Begriffen sogar oftmals sofort Sinn erkennen. “Fluxkompensator” beispielsweise. Dieser scheint einen irgendwie gearteten Fluss auszugleichen. Vielleicht weiss man zunächst nicht mehr als das, ist aber zumindest schon einmal darüber informiert, dass es sich mit großer Wahrscheinlichkeit nicht um ein Frühstücksei handelt.

Ein Nachteil des Buchstaben-Reigens ist die absolute Notwendigkeit, jeden Ton durch einen Alphabet-Teilnehmer repräsentieren zu lassen. Das führt dann gerne mal zu Bandwürmern wie diesem hier: “Suppenlöffelstielholz”. Das erfahrene Plappermaul sieht hier 4 Wörter in einem. Der weniger erfahrene hingegen muss sich durch 21 aneinander gereihte Buchstaben kämpfen. Und beide bekommen leichte Verspannungen im Handgelenk, wenn sie das Wort zehnmal aufschreiben sollen.

Unser Herr Li hat hier ebenso wie Herr Nakamura und andere Mitspieler des Linguistik-Clubs “Welt SüdOst” ein anderes System erdacht. Kaya Yanar würde es sicherlich als “Guckst Du, dann weisst Du” bezeichnen und träfe mitten in die schwarze Tinte. Nun, wenn man denn weiss, wie man gucken muss.

Die chinesischen Schriftzeichen sind von der Grundidee her weniger abstrakt als unser Alphabet, da sie Logogramme, also Wortbilder sind. Höhlenmalerei deluxe sozusagen. Im Laufe der Jahrtausende haben diese Logogramme jedoch eine ganze Reihe an Schriftreformen und optischen Vereinfachungen hinter sich. Die heute verwendeten Symboliken sind für das ungeübte Auge kaum mehr als Wortbilder zu erkennen. Natürlich liegt das auch daran, dass man die historische Genese der Kombinationslogik verschiedener Symbole nicht kennt oder nachvollziehen kann. Manches jedoch ist so bestechend einfach, dass man sich ein Schmunzeln nicht verwehren kann.

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Breadkrümels

November 21st, 2009

Die Sonne bricht mit ihrer üblichen Kraft durch die Vorhänge. Selbst die zweite, dickere Lage kann sie nicht davon abhalten, die Nachricht zu überbringen, die ihr so sehr am flammenden Herzen liegt: Guten morgen, es ist Samstag!

Und der Samstag beginnt fast immer gleich – Ein vorsichtiges Blinzeln aus dem Fenster mit der leichten Smog Patina, ein erster Blick auf das dreiundzwanzig Stockwerke tiefer liegende verschlafene Hauptstädtchen.

Alles ist chinesisch still. Das Adjektiv muss sein. Nach deutschen Massstäben wäre es stadtlaut. Wie die Hamburger Innenstadt um 20:03 Uhr etwa, wenn die Läden schliessen und Menschen nach Hause strömen, um ihrem erbeuteten Gut zu huldigen oder in die Restaurants zum Abendessen pilgern. Nicht wirklich ruhig, aber auch kein lärmender Berufsverkehr mehr.

Für die teilverbotene Stadt gilt dieser Zustand als absolute Stille. Der Samstag beginnt also freundlich. Jede Woche. Immer wieder.

Von der verglasten Südseite des Apartments führt der Weg direkt zur Dusche. Das heisst, zunächst noch den Wasserspender anschalten. Kaltes auf gähnenden Magen trinken ist in China ja praktisch verboten.

In jedem Fall aber führt der Weg nicht wie in Deutschland in die Küche zum Wochenend-Schlachtfeld: der Einkaufsliste für den Samstag. Man mag über die 7-Tage Woche arbeitsrechtlich denken, was man will. Aber sie erleichtert den Büroknechten um einen der penetrantesten Stressmomente.

Im Anschluss an epidermialer Furchenzählung und vercremten Restaurationsversuchen dann der einzig herausfordernde Moment des Tages: wohin zum Frühstücken?
Die fernöstliche Umsetzung des Rama Spots von der Gemütlichkeit zuhause scheitert leider an daran, dass es nicht nur keine Rama, sondern auch keine Brötchen gibt. Zumindest keine, die man als solche bezeichnen möchte.

Es gibt zum Glück The Beijinger, That’s Beijing, City Weekend, Time Out und ähnliche monatlich erscheinende Publikationen, die den Expat über die kulinarische Lage der Wahlheimat auf dem Laufenden halten. Da findet sich immer was.

Also raus aus dem Haus und erstmal tief die frische Luft* (Zustand von der Redaktion geändert) eingeatmet. Hallo Welt.

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Das grüne Blatt im roten Meer

November 17th, 2009

“Ich weiss gar nicht, wie die das machen – das Essen hier ist total ölig und fett. Trotzdem sind alle so unglaublich schlank”.

Abwarten und Tee trinken hilftDiesen Satz habe ich schon öfters gehört und selbst auch nie so wirklich eine Antwort gefunden. Ein Teil der Antwort mag sicher sein, dass sie sich mehr bewegen. Ein anderer, dass sie mehr selber kochen und das aus frischen Zutaten und wenig Fleisch. Süssigkeiten spielen fast keine Rolle, vor allem Schokolade nicht. Aber bei den täglich vollen Restaurants kann all das noch nicht ausreichend erklären, weshalb ein großer Teil der Bevölkerung derart viel schlanker ist, als der durchschnittliche Europäer.

Dank der intensiven Recherche von Ninik und Ferdi sind wir des Rätsels Lösung nun aber auf der Spur. Es scheint, als läge die Antwort im Abwarten und Tee trinken. Zumindest wenn letzteres ein grüner ist.

Grüner Tee ist offensichtlich nicht nur gut gegen Krebs, baut Cholesterin ab und schützt vor Herzerkrankungen. Er kurbelt den allgemeinen Kalorienverbrauch an und verhindert, dass der Körper die unerwünschten Fettmoleküle aus dem Essen aufnimmt und einlagert. Diese machen also sozusagen einen auf Umsatzsteuer und bilden im Körper einen durchlaufenden Posten. Im wörtlichen Sinne.

Grüner Tee und Sojabohnen

Wem das schon bekannt war, dem ist aber vielleicht folgendes neu: Wenn man neben dem grünen Tee auch noch Sojaprodukte in seine Ernährung einbaut, ist einem zusätzlich eine Portion Collagen für Haut, Haare und Nägel gewiss und zwar ganz ohne Einspritzen. Das macht jünger und schöner und ist für ziemlich wenig Geld zu haben.

Wenn man das weiss, wird einem hier zulande so manches klar. Einen McBohne und einen Green Tea Shake bitte!

Niemand hat die Absicht…

November 9th, 2009

Ulbricht war ein oller Lügner, aber das ist ja kein Geheimnis. 25 Jahre später, am 9. November 1989 wurde seine Lüge dann gottlob dem Boden gleich gemacht.

Bundesarchiv_Bild_183-1989-1109-030,_Berlin,_Schabowski_auf_PressekonferenzAls an dem Tag gegen 19:00 Uhr in Ost-Berlin diese folgenschwere Pressekonferenz stattfand, war ich grad in der Schule und wusste von nichts. Für mich war es ein normaler Vormittag im US-Bundesstaat Illinois. Von dem Ereignis, das den Kalten Krieg beendete, habe ich erst am Abend erfahren. Meine Gastmutter kam ins Zimmer und meinte, in den Nachrichten hätten sie gerade den Fall der Berliner Mauer verkündet.

Ich weiss noch ganz genau, was mir damals durch den Kopf ging: “Ja, klar, sicher doch – die Amis verstehen aber auch gar nichts.” Daran, dass die Meldung stimmen könnte, habe ich keinen Gedanken verschwendet. Stattdessen musste ich mich erst einmal gehörig darüber aufregen, wie wenig man dort von Geschichte und Geografie verstand. Wenn man es täte, käme man niemals auf solch dumme Schlagzeilen.

The Berlin wall is openAls ich dann die Fotos von den Menschen sah, die oben auf dem Bollwerk standen und feierten, war ich schlicht fassungslos. Diese Bilder haben noch heute Symbolcharakter. Aber zu der Zeit waren sie mit gesundem Menschenverstand nicht zu begreifen. Nicht, wenn man ein Leben lang mit einer der seltsamsten Grenzen aufwächst, die Menschen je gebaut haben. Natürlich habe ich immer die Hoffnung gehabt, dass sie eines Tages verschwinden würde, aber genau so habe ich gehofft, dass wir irgendwann wie Captain Future mit schwebenden Autos durch die Gegend fliegen. Angesichts von Feinstaub-Debatte und Abwrackprämie sehen wir ja, wie realistisch das ist.

Zu der Zeit der Grenzöffnung wäre ich damals gerne in Deutschland gewesen, um das WM-Gefühl aus der Nähe zu erleben. Warum musste ich auch ausgerechnet in dem entscheidenden Jahr weg sein? Das alles aus der Ferne zu betrachten hatte dann aber einen äussert interessanten Nebeneffekt:

In Zeiten vor Handy und Internet war die Hauptinformationsquelle das gedruckte Wort. Und das musste seinen Weg erstmal über den großen Teich finden. Mir standen also neben den amerikanischen Nachrichtenbeiträgen im Fernsehen hauptsächlich wochenalte Magazinbeiträge aus Deutschland zur Verfügung. Und private Briefe. All diese Quellen haben aber freilich vor allem eine Charakteristik: Sie fassen die Dinge recherchiert zusammen und stellen sie in einen Gesamtzusammenhang, statt die Meldungen wie heute im Netz rasend schnell und ungefiltert durchzureichen. Ich konnte die Geschehnisse also mit internationalen Augen sehen und die Gesamtheit betrachten, ohne mich zu stark in Details zu verlieren.

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(English) How to: China Mobile + Internet

November 7th, 2009

Dieser Eintrag sticht ein wenig aus den übrigen heraus. Ich möchte ein wenig meinen Wissensstand beim Thema “Handy in China” teilen und versuchen, anderen Expats oder Besuchern zu helfen, das Dickicht der verschiedenen Mobilfunk-Dienste von Anbieter China Mobile zu durchblicken und vor allem die Frage nach dem Internet auf dem Handy zu klären.

Der Eintrag ist deshalb auf Englisch. Zum Lesen bitte die Anzeigesprache wechseln.

Morgens um Acht…

November 6th, 2009

“Und was wollen Sie jetzt damit erreichen”?

Frau Müller (Name von der Redaktion geändert) blickt prüfend mit leicht forderndem Blick durch die verwinkelte Glasscheibe, die ihrem Gesicht einen grünlichen Ton verleiht. Ein wenig kalt ist es im Konsular-Zimmer 10 der deutschen Botschaft. Der kühle Lufthauch der Autorität.

Das offizielle Schriftstück des Einwohnermeldeamtes Hamburg Wandsbek hängt wie eine stinkende Makrele zwischen Frau Müllers spitzen Fingern. ABMELDEBESCHEINIGUNG steht am oberen Rand. 24 Punkt Versalien, Courier New Regular Schriftschnitt. Hübsch ist das nicht, aber immerhin so deutlich lesbar, als wäre es die Schlagzeile der BILD. Wie zum Nachdruck hält Frau Müller das A4 Blatt nach Deutscher Industrie Norm hoch, damit der Bittsteller auf der falschen Seite des Schalters auch ganz sicher weiss, um was sich die Frage dreht.

Weggestempelt und verzogen“Ich möchte nur meiner Pflicht genüge tun”. erwidert dieser und ist ein wenig verwirrt. Aber etwas in der nach verstaubten Akten klingenden Formulierung scheint zu Frau Müller durchzudringen und ihr Ablageherz zu berühren. Ihr Mund strebt die Form eines stilisierten Paragraphenschlüssels an: “Na, dem wollen wir uns natürlich nicht entgegenstellen”. Sprachs leicht schnippisch und verschwand in den tiefen Tunneln der Gesetzgebung.

Dummer Spruch, dumme Antwort. Und diesmal hat’s sogar was geholfen. Nach klassischen deutschen 7 Minuten, die ein ordentliches Bier benötigt ist sie wieder zurück. Ohne Schriftstück aus der Hansestadt, dafür mit einem neu verstempelten Pass: “Wohnort amtlich geändert in Peking / VR China” – Zack, Ummeldung erledigt.

Da hätte man sich die 5min Diskussion im Vorfeld auch sparen können. Die Kollegin in Hamburg hatte gesagt, ich müsse das hier vorzeigen, um offiziell gemeldet zu sein. Dass Frau Müller das nun nicht sonderlich gut in den Kram passt tut mir ja auch irgendwie leid, aber Ordnung muss sein. Insbesondere in Amtsangelegenheiten.

Mir war es natürlich nicht neu, dass ich in Peking wohne. Dennoch fällt einem erstmal eine der genormten Schrauben aus der Reishutkrempe, wenn man es Schwarz auf Weiss liest. Gut, eigentlich Stempelblau auf RotGrünTürkisKrisselkram, aber das ändert nichts an der Schockfrost-Erkenntnis: Ich bin zwar noch Deutscher, aber so richtig grad auch nicht mehr wirklich. Zumindest wirkt es so. Daran ändert sogar diese fröhliche Mädchenschrift nichts, mit der das Datum darüber gekringelt wurde. Sie gehören nicht mehr zu uns, einen schönen Tag auch noch.

Aufm AmtBeim Verlassen der Stube wirkt die Welt oder zumindest erstmal das lokale deutsche Amt verändert. Die erwachende Sonne sticht durch die Fenster und taucht die Szenerie in das warme Licht der Unschuld als sei nichts geschehen. Der Wohnsitz hat den schwarzen und goldenen Balken verloren, sonst war ja auch nichts. Ich müsste das eigentlich kennen, immerhin habe ich alle drei Balken schon einmal gegen rot-weisse Streifen und Sterne auf blauem Grund eingetauscht, aber das hier fühlt irgendwie anders an. Mein kleiner Herr Vorurteil ist offenbar bei bester Laune.

Mit meiner veränderten Wahrnehmung blicke ich mich um. Eigentlich ist die Botschaft hier faktisch sowas wie das deutsche Einwohnermeldeamt. Und dennoch: nicht nur vor den Schaltern, sondern auch dahinter sieht man praktisch nur Chinesen. (Ich glaube im Gegenzug jedoch nicht, dass man in der chinesischen Botschaft in Deutschland entsprechend fast nur Deutsche antrifft. Eine Schief-Lage, die Rätsel aufgibt)
Das Wort ‘Ausländerbehörde’ drängt sich auf. Wie die Hühner auf der Stange sitzt hier in zwei Reihen die Klientel. Zumeist zwecks Visums-Beantragung. “Nur nach vorheriger Terminabsprache” wie man sowohl vor Ort, als auch auf der entsprechenden, sogar sehr informativen Website lesen kann. Das heisst, der Andrang ist kontrolliert. Ohne Termin kein Einlass in die heilige Halle. Und draussen nur Kännchen. Ich sags ja: Ordnung muss sein.

DSC04654Die Stimmung verheisst durchweg eine diffuse Mischung aus Unbehagen und Verunsicherung. Im Gegenzug ist es auf den Ämtern in Deutschland eher ein scharf profiliertes Gefühl von Genervtheit. Zumindest auf den Ämtern FÜR DEUTSCHE. Wenn man im Ausland in seiner eigenen Botschaft sitzt, kann man dagegen erstmals nachvollziehen, was Achmed, Igor und Karim bei uns dort aushalten müssen, wohin wir Deutschen normalerweise niemals gehen. Wer Menschen kennt, die Begriffe wie “Bleiberecht” und “Einbürgerung” kennen und nutzen müssen, der hat die Geschichten bereits gehört, aber sicherlich niemals wirklich verstanden. Und vielleicht sogar nicht so recht geglaubt.

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Buddelkönig

November 5th, 2009

“Wenn man immer gerade durch die Erde gräbt, kommt man irgendwann in China raus”.

Diesen Satz kennt wohl jeder in der ein oder anderen Formulierung.
Einmal durch die Erde nach China
Bei einer näheren Betrachtung des Globus wird allerdings ersichtlich, dass man eher den Tiefsee-Lebewesen des indischen Ozeans einen Besuch abstatten würde. China liegt nicht nur dichter als man meint, es ist zudem genauso auf der Nordhalbkugel beheimatet wie Madrid, Paris oder Meppen.

Aber vielleicht möchte das Sprichwort eher sagen, dass in China alles anders ist. Auf den Kopf gestellte Gewohnheiten sozusagen. Und da kommen wir der Sache schon näher. Die Menschen laufen zwar nicht mit den Füßen an der Decke, aber manches ist so gegensätzlich, dass man darüber nur den Kopf schütteln kann. Schauen wir uns einmal ein paar Beispiele an.

Der Kompass zeigt hier nach Süden, statt nach Norden, und wenn er zwischen zwei Richtungen liegt, stellt man die Breitengrade voran und sagt beispielsweise “Ostsüden” oder “Westnorden”.
Nach der Bestellung von zwei Fleisch- und drei Gemüsegerichten fragt der Kellner bei der Bestellaufnahme geduldig, ob man denn keine Hauptspeise möchte. Er meint damit Reis, Nudeln oder Brot, was im Westen wiederum eher als Beilage gilt.
Ein kaltes Wasser hat Zimmertemperatur und ein als “normal” bestelltes ist warm. Man spricht sogar umgedreht. “Morgen abend treffen wir uns um sieben Uhr am Eingang” klingt wortwörtlich wie “Wir morgen abend sieben Uhr am Eingang treffen”.

Man isst vom Huhn die Füsse, vom Fisch den Kopf, und der Fußgänger muss dem Autofahrer den Vorrang lassen. Man benutzt die Begriffe “hoch” und “runter” für “nächsten” und “vorherigen”, aber in umgekehrter Bedeutung wie erwartet. Man hält einander nicht die Tür auf. Der Aufhaltende würde damit anstatt gesellschaftliche Anerkennung zu ernten seinen eigenen Status auf Bediensteten-Niveau reduzieren und nebenbei auch kein Dankeschön bekommen. Weder verbal noch in Form eines Blickes.

wedding dressBeim beliebten Spiel “Ja, Nein, Schwarz, Weiss” hätte der Chinese grandios die Nase vorn, denn Ja und Nein existieren als Wörter im europäischen Sinne in seiner Sprache überhaupt nicht.
Die für uns als Warnfarbe bekannte Kulör Rot steht neben Nationalstolz und Gemütlichkeit für Glück und ist unter anderem die Farbe des Brautkleides. Dieser Umstand hatte bei der Einführung der international anerkannten Ampel-Lichtsignalanlagen für einige Verwirrung gesorgt: Ausgerechnet Rot soll stop bedeuten? Kann nicht sein. Weiss steht übrigens allgemeinhin für Tod und hält aus diesem Grund nur zaghaft Einzug in die Hochzeitsfarben.

Beim Drei-Kreuze-machen oder beim Wahlschein-ausfüllen legt Herr Li einen astreinen Haken aufs Papier, da für ihn das X gleichbedeutend mit Wegstreichen oder aus-ixen, also negativ besetzt ist. Wäre unter diesem Gesichtspunkt einmal interessant, einen hiesigen Lottoschein zu sehen.

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Weiss-Röckchen (update)

November 2nd, 2009

Snow in BeijingPeinlich, peinlich!

Da regt man sich grad noch über die vermeintlich zu früh begonnene angestrengte Weihnachtsvorbereitung der Chinesen auf, und dann bietet sich einem gestern morgen dieses Bild beim Blick aus dem Fenster.

8cm Schnee am 1. November. Damit einhergehend ein Temperaturabfall à la Niagara: von 14° auf -4°C.

Da man im letzten Jahr bereits der Öffentlichkeit bewiesen hat, das Wetter kontrollieren zu können, und es entsprechend bei den olympischen Spielen nicht geregnet hat, scheint dies folgerichtig ein Teil der festlichen Vorbereitungen zu sein. An Weihnachten liegt Schnee. Gefälligst!

An Konsequenz mangelt es Herrn Li ja nicht. Na, dann mal frohes Fest!

UPDATE:
Leser Kerem hat in den Kommentaren drauf hingewiesen — die Vermutung war berechtigt, der Schneefall erzwungen. Ob die erwähnten Massen an Chemikalien wohl verträglich für Mensch und Umwelt sind?
Tagesschau: Peking lässt es schneien

Ein Markt macht sich bereit

Oktober 29th, 2009

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Nanu, das Logo kenn ich doch?

Als ich auf dem Nachhauseweg an dem THE PLACE Shopping Center vorbei kam (das mit dem mächtig großen Bildschirm), traute ich meinen Augen nicht: Da schwebte ein überdimensionales Apple Signet über mir. War das etwa eine Hommage? Wir erinnern uns: als ich letztes Jahr hier antrabte, tat man mir den Gefallen, direkt vor meinem Bürofenster ein iPod Plakat aufzuhängen. Und nun, zum Jubliäum, scheint man einen Schritt weiter zu gehen.

IMG_0319Ein 60x20m großes Areal unter diesem Logo macht sich fein für den morgigen Tag. Dem Tag, an dem in China endlich offiziell das iPhone von Apple verkauft wird: Weiss betuchte Stuhlreihen, eine große Bühne, Catering und unzählige Aktivierungsterminals warten auf die, die sich durch die meterlang abgesperrten Warteschlangen kämpfen. Dass diese Terminals alle Windows PCs (!?) sind, macht sofort klar: Das ist hier keine Apple Veranstaltung, sondern von China Unicom, der Vertrags-Telefongesellschaft.

IMG_0325IMG_0323Ob sich hier morgen wirklich derart viele Leute drängeln werden? Man darf zweifeln. Einerseits ist der Markt bereits von unzähligen Hong Kong – iPhones durchzogen, andererseits hat die chinesische Festland-Variante ja einen bekannten Haken: Kein WLAN. Die Regierung wollte das so. Man fürchtet, zu viele Menschen könnten sich unkontrolliert in offene Netze wie z.B. bei Starbucks einwählen und Blogs schreiben. Diese könnten anti-Regierung sein und dann weiss man nicht, wem man einen freundlichen Besuch zuhause abstatten muss. ––Äh, Herr Li? Ich finde euch ganz klasse und so! Weisste, ne?

IMG_0361Jedenfalls scheint man seinem eigenen Network nicht recht über den Weg zu trauen, denn direkt vor dem Gelände parkt ein LKW mit mobilem 3G Funkmast. Besser, die Menschen haben zumindest für ein paar Minuten nach der Aktivierung das tolle Gefühl eines schnellen Netzwerks, sonst beschweren sie sich eventuell noch an Ort und Stelle. Und dann verliert einer die Nerven und ein anderer sein Gesicht.