Archive for Juni, 2010

Olé gack gack

Samstag, Juni 19th, 2010

Ja, wer kennt das nicht? Die schönste Zeit des Jahres: Fussball, ein zoschendes Bier auf dem Tisch und…äh, kalte Hühnerfüsse.

Es gibt noch andere Plakate, die Bratfisch, Entenhälse, Schweine-Innereien und Flusskrebse anpreisen. Was ist nur als den guten alten Kartoffelchips geworden, Herr Li?

Was soll’s. Zeit, dass sich was dreht. “Herr Ober…!?”

Herum falsch

Freitag, Juni 18th, 2010


Wie hiess eigentlich Konfuzius mit Vornamen? Horst? Joachim? Walter oder Knut? Oder war “Konfuzius” vielleicht sogar sein vorderster Name und keiner von uns kennt ihn hintenrum? In dem Fall hätte ihn seine Mutter vielleicht “Fuzi, Essen fertig” gerufen, wenn es Zeit war, das Anfängerset “Philosophie mit Kreide und Knete” in den Spielekasten zu räumen.

Was da so amüsant anklingt beherbergt tief im Innern hinter der Lachfalte eine ganz interessante Problematik – die der Vor- und Nachnamen-Verteilung jenseits des Spitznamengebirges. Irgendwie hat das ja jeder schonmal irgendwo mit einem Ohr gehört. Da war doch was, wie war das noch gleich? Schreiben die Chinesen von rechts nach links? Ach nee, das waren die Japaner, quatsch Moment, die kritzeln von oben nach unten. Ja, aber danach dann von rechts nach links. Wie die Araber. Bloß sind die keine Asiaten, jedenfalls die meisten nicht. Aber das führt nun doch ab vom Thema.

Das einzige, was, zumindest nach unserem Ordnungsverständnis, im Chinesischen von rechts nach links läuft, ist die Namensgebung. Hu Jintao, Wen Jiaobao und sogar Herr Li – sie alle tragen den Nachnamen vorne (das wirft jetzt die grundphilosophische Frage auf, ob man den Nachnamen überhaupt noch so nennen darf, aber wir wollen uns mal besser keinen Knoten in die Gehirnwindungen denken).

Genosse Parteivorsitzender wird also nicht fröhlich mit “Huhu Hu” angewunken, wenn er mit seinem Hollandrad um den Teich strampelt. Vielmehr heisst es da höflicher “Juhu, Herr Hu”. “Hu” heisst übrigens auch Bart, und das ist auf der amerikanischen Seite nun wieder ein Vorname einer ökonomisch nicht allzu unerfolgreichen Zeichentrickserie. Witzigerweise ist Bart Simpson ausgerechnet gelb. Ob das was zu bedeuten hat?

Der Chinese dreht jedenfalls seine Namensnennung um und fängt hinten an. Und das macht er bei vielen Dingen. Herr Meyer stellt sich so vor: Guten Tag, ich bin Hans Meyer, arbeite als Ingenieur bei Siemens in München, Deutschland.

Sein Geschäftspartner, der Herr Zhang hingegen tut selbiges auf folgende Weise: Guten Tag, ich bin Zhang Yu, arbeite in China, Peking bei Honhai als Chefinspekteur.

Böse Zungen würden nun behaupten, sie hätten immer gewusst, die Chinesen wären alle irgendwie hintenrum, aber der Grund ist wohl eher in der unterschiedlichen Wahrnehmung der Wichtigkeit des Einzelnen zu suchen. Im Westen zählt das Individuum. Überspitzt formuliert hält ein jeder sich für das Größte, das die Welt je gesehen hat. Im Osten zählt die Gemeinschaft, der einzelne sieht sich nur als ein funktionierendes Rädchen irgendwo hinten in der großen Maschinerie. Das Grundverständnis der eigenen Identität erkennt man auch an der Antwort auf die Frage “Wie heisst Du?”. Von links kommt daraufhin “Hans” und von rechts “Zhang”.

Leider ist dieses Wissen zwar interessant, aber oftmals doch nutzlos. Oder zumindest sorgt es für zusätzliche Verwirrung. Denn da sowohl manche Chinesen, als auch manche Westler aufgeklärt dem jeweils anderen entgegenkommen möchten, findet sich ein buntes Sammelsurium an Kombinationen auf Visitenkarten und Dokumenten:

Vorname Nachname
Vorname NACHNAME
Nachname Vorname
NACHNAME Vorname
Nachname, Vorname

und sogar Vorname, Nachname

Und da die Namen des jeweils anderen Kulturkreises sich zumeist nicht selbsterklärend als Vor- und Nachname zu erkennen geben (Wang Bing? Oder Bing Wang?), muss man eben doch immer fragen und kommt sich ziemlich immer wieder vor wie ein Tourist.

Dumm nur-auch das Fragen hilft nicht unbedingt weiter. Man muss schon wissen WIE man fragen soll. Das bringt und zurück zu eingangs erwähntem Umstand, dass der “Nachname” als solcher im Chinesischen nicht existent ist.
“Ist Wang ihr Vor- oder Nachname?” resultiert folglich in einem ratlosen Gesicht beim Gegenüber. Ganz der Wahrheit entsprechend wird er entgegnen “Wang ist … mein Name”. Ach was? Is klar, Rumpelstilzchen, nur welcher? Das bringt sein Oberstübchen derart zum kochen, dass außer Qualm nichts weiter aus ihm herauskommt. Er versteht nicht, weshalb man nur einen Teil seines Namens wissen will. Zwar weiss er den Unterschied zwischen Familien- umd gegebenem Namen. In China aber nennt man sich entweder mit Spitznamen, einem Konstrukt aus Titel+Nachname oder der vollen Namenskombination. Und dann eben erst den Nachnamen gefolgt vom Vornamen. Oder wie auch immer man das jetzt bezeichnen soll.

Wer weiss, vielleicht hat in dieser Tatsache der alte Spruch “die letzten werden die ersten sein” seinen Ursprung?