L/R

Oktober 14th, 2009

Nein, falsch. Um links/rechts geht es jetzt nicht. Im Chinesischen wäre das auch Z/Y für zuǒ/yòu und so kurz nach der Bundestagswahl möchte sowieso niemand was über derartige Richtungsangaben mehr lesen.

Konfuzius“Del Chinese lollt das El” wie jeder weiss. Es scheint eine Weisheit des Konfuzius. Und doch müssen wir hier mal den landesfarbigen Korrekturstift ansetzen, denn leider ist dies ein Vorurteil. Zumindest meine beiden Schallempfänger haben noch keine ausgeprägte R-Schwäche der Bevölkerung feststellen können.

“Try red rooster, gringo” macht zwar überhaupt keinen Sinn, wäre rein phonetisch jedoch kein Grund für den Kollegen von nebenan, den Entknotungsdienst zu rufen. Man höre und staune. Gut, es ist kein gekratztes R, wie wir Deutschen es kennen und mögen, aber immerhin ein als solcher zu erkennender Buchstabe.

Und doch, es gibt da ein gewisses Problem. Allerdings nicht beim R wie wir nun wissen, sondern –jetzt kommts– ausgerechnet beim L! Der lallende Buchstabe lodernder Leichtigkeit geht dem Kollegen sehr viel schwerer über die Oberkante Unterlippe, zumindest wenn es nicht am Wortanfang steht. “Towel” klingt dann so wie “Towouh” und “Köln” wie “Köuhn”.

Ja, Moment einmal. Da sind sich Quadrilliarden Menschen weltweit einig, dass der Herr Li sich zwar kein X für ein U vormachen lässt, aber ein L für ein R. Und dann soll er das in Wirklichkeit gar nicht aussprechen können? Wie geht denn sowas?

Nun, ich hätte da eine Lösung anzubieten. Ohne Fokusgruppe und nicht repräsentativ, dafür interessant:


Dring Ring LingUnser verehrter Herr Meier hat mit 5 Jahren vom Weihnachtsmann ein weisses Plastiktelefon mit quietsch-rotem Hörer geschenkt bekommen. Von da an waren seine Eltern bedient. Und zwar von einem unablässigen “Dring! Dring!”, das das kleine Meierlein freudestrahlend im fünf Sekunden Rhythmus krakelte. Mit den Schoko-Pfoten wurde dazu äusserst energisch auf die Wählscheibe eingehämmert. Tasten gabs ja noch nicht.

Desgleichen passierte einige Kilometer weiter links in Michigan, als der kleine Herr Johnson genau dasselbe tolle Wunderding mit der eingebauten kleinen Glocke geschenkt bekam. Bei entsprechend nachdrücklichem Auflegen tat diese aufgeweckt ihren Dienst. Mini Johnson schallte dazu mit rosigen Backen “Ring! Ring!” weil das Fernsprecherchen für ihn nunmal so klang.

Um die Ecke rum auf der anderen Seite der Weltkugel stand ein Herr im Anzug grad beim Vater vom kleinen Herrn Li in der Fabrik und schüttelte diesem die Hand. Die Produktion der 100.000 kleinen Plastiktelefone hatte ihm dieser spottbillig gestaltet und das winzige ‘Made in China’ auf der Unterseite entfesselte seine interkulturelle Magie.
Der Herr im Anzug wollte sich gerade verabschieden, als er ein glucksendes “Ling! Ling!” vernahm. Er drehte sich um und sah den kleinen Herrn Li auf dem Boden des Büros sitzen und mit einem der Prototypen spielen. Neben ihm Mutter Li, die gerade zustimmend im didaktisch einwandfreien Tonfall befand “Genau! Ling Ling macht das Telefon!”. Unser kleiner Li lachte laut auf und machte “Linnnng! Ling Ling Linnnng!”.

Der Mann im Anzug flog nach Hause und erzählte von da an die Mär, dass die Chinesen ein L sprechen, wenn sie ein R meinen. Da der Mann viel in der Welt herumreiste und seine Plastiktelefone verkaufte, wussten bald alle davon.Und das nur, weil niemand dem Mann im Anzug gesagt hatte, dass sich ein Klingeln im Ohr der Chinesen nunmal mehr wie ein Ling als wie ein Ring oder Dring anhört.

Wobei ja leider heute die meisten Handys eher Tudel-diludel-utz utz-ouh yeah machen. Und Wählscheiben haben sie auch keine mehr. Seufz.

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