Peking ist ein gefährliches Pflaster!

September 13th, 2009

Was mag sich hinter dieser Überschrift verbergen? Keine Menschenrechte, Polizeistaat, Krankheiten, Fremdenhass, schädliches Essen?

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Fürwahr, die Vorurteilge gegenüber der hiesigen Wahlheimat sind zahlreich. Wer kennt sie nicht, die Geschichten über Protestler, die nie wieder auftauchten, über Gefangene, die über Nacht zu freiwilligen Organspendern wurden, und über die Menschen, die nichs als Hundefleisch essen?

Die pilgernden Barbaren, die jeden Touristen ungefragt in dunkle Hinterhöfe ziehen, um ihnen gleissendes Schreibtischlampenlicht in die runden Westler-Augen zu leuchten, sind mir jedoch noch nicht begegnet. Überhaupt konnte ich bislang nur sehr wenig Antipathie entdecken. Nicht nur den Ausländern gegenüber, sondern auch untereinander geht man hier friedlicher miteinander um als im heimatlichen Europa. Der kommunikative Ton ist oftmals rauer und klingt auf den ersten Ton respektloser als man es von der Heimat gewohnt ist. Wirklich ablehnend aber ist er fast niemals

Natürlich hat die Freundlichkeit von Herrn Li und seinen Genossen ihre Grenzen. Was den Nationalstolz angeht, da verstehen sie keinen Spaß. Auch Authoritätspersonen wie die bereits erwähnten Freund & Helfer’schen Kollegen möchten auch als solche behandelt werden und stellen das gerne deutlich klar. Aber das ist bei Uncle Sam und seinen Homies, die uns geschichtlich bedingt ja sehr nahestehen in keinster Weise ander. Das Gefühl von Angst kommt hier so gut wie niemals auf. Warum dann also diese Überschrift? Was ist dann das angeblich Gefährliche?

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Mir fiel es an diesem Wochenende auf, als ich auf dem Weg zu einer KTV (Karaoke)-Verabredung im Freundeskreis ein Abkürzung durch das in der Nähe befindliche Russenviertel machte. Die vor mir liegende dunkle Gasse der kürzeren Schritte hatte etwas filmreifes. Sie wäre für jeden Location Scout aus Hollywood eine Traumadresse gewesen, um die passende Umgebung für ein sozialkritisches Gangsterdrama zu geben. Verwarloste Ecken wo man auch nur hinsah, lange Schatten zwischen den Mauerspalten und die gesamte Crew aus Michael Jackson’s Thriller Video zwischendrin. Ein Schritt in derartiges Straßengut in Miami, L.A., Frankfurt oder Hamburg Wilhelmsburg und man hat gute Chancen, die längste Zeit auf diesem Planeten gewesen zu sein.

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In Peking aber geht man unbeeindruckt weiter und sieht sich höchstens neugierig um. Wohlwissend, dass jegliche Gefahr gleich Null ist und man sich vor nichts zu fürchten braucht. Und genau das ist dann auch das Gefährliche an Peking: Bei den Menschen, die länger hier sind ermüdet die Fähigkeit, derartige Situationen als unsicher einzustufen und lieber einen Bogen um sie zu machen. Nachts alleine durch dunkle Gassen torkeln? Kein Problem. Nicht einmal für Frauen. Abgewetzte Weggefährten vor halb zerfallenen Hochhäusern nach dem Weg fragen? Höchstens eine sprachliche Schwierigkeit. Als Hauptstadt ist Peking sehr sicher.

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Vielleicht sogar ein wenig zu sicher, angesichts hunderte tausender omnipräsenter Kameras wohin man auch gehen mag.
Aber eventuell ist das auch nur Reality-TV.
Ein bisschen wie im Film fühlt man sich hier manchmal in der Tat.

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